Noch 10 Tage bis zum Weltcup
06.03.2018

Scheinbar winterliche Ruhe, aber in Wirklichkeit sind die Helfer im Einsatz, um alles für den FIS Weltcup Nordische Kombination vorzubereiten.

Klingenthal. Noch 10 Tage sind es bis unsere Olympiasieger kommen. Das Organisationsteam bereitet weiter die Wettkampfstätten vor. Heute werden weitere Container aufgestellt für Versorgung, Rennbüro und Technische Ausstattung.

Außerdem war Guntram Kraus, Ausrüstungskontrolleur des Internationalen Skiverbandes FIS für die Nordische Kombination, am Dienstag in der Sparkasse Vogtland Arena. Er besichtigte Schanze, Loipe, Athletendorf und weitere Einrichtungen und hat alles für gut befunden.
10 Tage vor dem Weltcup lohnt sich auch ein Blick 10 Jahre zurück, zum ersten Weltcup Nordische Kombination in Klingenthal.

Mit Katarina Witt fing alles an

Es war eine Schocknachricht, die den deutschen Wintersport im Spätherbst 2007 erreichte: Der Deutsche Skiverband hatte Zahlungsprobleme. Über die Gründe dafür gab es allerlei Spekulationen. Die Konsequenzen waren umso klarer. Finanzielle Zusagen an die deutschen Weltcupveranstalter konnten nicht in Gänze eingehalten werden. Davon betroffen war auch der VSC Klingenthal. Im Vogtland liefen gerade die Vorbereitungen für den Weltcup der Nordisch Kombinierten im Januar 2008, den ersten in der damals nagelneuen Vogtland Arena. Plötzlich klaffte eine sechsstellige Lücke im Budget. Es wurde beraten und überlegt. Denn eines war von Anfang an klar: „Eine Absage der Veranstaltung stand für uns nie zur Debatte“, erinnert sich OK-Chef Alexander Ziron. „Wir hatten zu lange dafür gekämpft, in den Weltcupkalender aufgenommen zu werden.“

Gerd Siegmund, Ex-Skispringer und Marketing-Berater der Klingenthaler, hatte schließlich die zündende Idee: „Gib‘ dem Weltcup Dein Gesicht!“ Eine Spendenaktion zur Rettung des Weltcups. Ab einem bestimmten Obolus sollten Fotos der Gönner auf einer Werbebande in der Vogtland Arena verewigt werden. Die Resonanz war überwältigend. Befreundete Sportvereine sammelten für den Weltcup in Klingenthal, Schulkinder opferten ihr Taschengeld, Weltklasse-Kombinierer Björn Kircheisen stiftete sein Preisgeld nach einem Weltcupsieg. Volksmusiker Eberhard Hertel spendete und schließlich schlug eine weitere Meldung ein: Weltstar Katarina Witt, die aus Chemnitz stammt, gab dem Weltcup ihr Gesicht.
Keine vier Wochen, nachdem die Aktion erstmals deutschlandweit Schlagzeilen machte, waren mehr als 60.000 Euro zusammen gekommen – der Weltcup war gerettet! VSC-Präsident Manfred Deckert und Gerd Siegmund befestigen das Banner mit mehr als 60 Gesichtern im Auslauf.

Doch Klingenthal wäre nicht Klingenthal, wenn alle Schwierigkeiten damit beseitigt gewesen wären. Denn auch das Wetter wollte den Vogtländern einen Strich durch die Rechnung machen. Nachdem pünktlich zum Weltcup-Wochenende die Temperaturen stiegen, schmolz die Anlaufspur der Großschanze in der Vogtland Arena förmlich weg. Die moderne, selbstkühlende Spur, die heute schon im frühen Herbst Training auf einer Eisspur zulässt, gab es damals noch nicht. Stattdessen standen mitten in der Nacht mehr als 50 Helfer parat, brachten den Schnee in Körben und Kisten auf den Anlaufturm, um eine neue Spur bauen zu können.

Damit war das zweite, schwerwiegende Problem gelöst. Blieb noch der Wind. Am ersten Wettkampftag war kein Springen möglich. Dank des Massenstartes, eines inzwischen abgeschafften Wettkampformats, konnte zumindest der Langlaufwettbewerb ausgetragen werden. Die Wertungssprünge wurden am nächsten Tag nachgeholt – und sorgten für Jubelstürme im Publikum. Denn kein geringerer als Lokalmatador Eric Frenzel schnappte sich den Sieg. Der erste Weltcupsieg des damals 19-jährigen und der Beginn einer beispiellosen Karriere. Weltmeistertitel, Olympiasiege und fünf Triumphe im Gesamtweltcup folgten seither.

Nur drei Stunden, nachdem Eric Frenzel gefeiert wurde, stand übrigens auch der zweite Heimsieg fest: Ronny Ackermann (Foto) gewann den zweiten Wettbewerb des Tages – vor Eric Frenzel. „Das war für mich damals unbeschreiblich. Ich war ein junger Bursche in meiner ersten Weltcupsaison. Im Sommer hatte ich bereits den Grand Prix in Klingenthal gewonnen. Ich erinnere mich, dass es ein sehr turbulenter Wettkampf war. Es wurde verschoben, letztlich als Massenstart ausgetragen. Ich musste lange zittern und habe am Ende völlig unerwartet gewonnen. Es gab viele Kuriositäten und schließlich hatte ich meinen ersten Weltcupsieg. Das war natürlich sehr spektakulär, noch dazu quasi in meiner Heimat.“

10 Jahre später kehren beide nach Klingenthal zurück. Eric Frenzel als inzwischen erfolgreichster Kombinierer seiner Generation, Ronny Ackermann als Assistent und wahrscheinlicher Nachfolger von Bundestrainer Herrmann Weinbuch.

Diesmal kann alles gern nur mit einer Aufregung laufen: Wie schaffen es unsere Olympiahelden vom 16. bis 18. März 2018 beim FIS Weltcup Nordische Kombination in Klingenthal wieder aufs Treppchen.

Sie wollen nie wieder etwas von Weltcup Klingenthal verpassen?