Silberhochzeit an der Silberrinne
15.07.2019

Feiern diesen Monat Silberhochzeit an der Sommerrodelbahn in Klingenthal-Mühlleithen: Klaus Ostwald (vorn) und Jürgen Müller. Foto: Brand-Aktuell

 

Klingenthal. „Mir ham Silberhochzeit“, lacht Jürgen Müller an der Bergstation der Sommerrodelbahn in Klingenthal-Mühlleithen. „Und mor vorstenne uns immer noch“, gibt Klaus Ostwald grinsend zurück. Damit meinen die beiden Urvogtländer in ihrem gemütlichen Dialekt, dass sie seit 25 Jahren, also seit der Eröffnung silbernen Stahlblechrinne im Juli 1994, für die Besucher da sind.

Wie in einer guten Ehe sind ihre Rollen im täglichen Geschäft verteilt: Klaus Ostwald ist im Auftrag des Vogtländischen Skiclubs Klingenthal (VSC), der die Bahn betreibt,  für den „sportlichen“ Teil an der Rodelbahn verantwortlich. Er verkauft Tickets, stellt die Rollschlitten bereit, hilft beim Ein- und Aussteigen, wacht über die Sicherheit. Jürgen Müller kümmert sich als selbstständiger Gastwirt mit Würstchen, Eis, Kaffee, Kuchen und auch einem Bier um das leibliche Wohl der großen und kleinen Fahrgäste. „Aber wir helfen uns natürlich gegenseitig“, betont der 60jährige Klaus Ostwald.

„Es sind die Gespräche mit den Leuten, die mir über die vielen Jahre Spaß machen, zu sehen, wie sich freuen“, sagt Klaus Ostwald, der kein Mann großer Wort ist. Er hilft den  Besuchern gern. Dabei wissen heutzutage nur noch die wenigstens, dass ihnen ein echter Weltmeister und Weltrekordler zur Seite steht. Es war 1983, als „Oste“, wie er noch heute gerufen wird,  in Harrachov den Weltmeistertitel im Skifliegen gewann. 1979 war er in Planica mit 176 Metern Weltrekord gesprungen. An der Schanze ist der knapp 60-jährige immer noch zu finden, als Helfer bei den Wettkämpfen in der Sparkasse Vogtland Arena.

Sein zweites Zuhause hat er an der Sommerrodelbahn. „Am Anfang waren wir noch getrennt von Tisch und Bett“, meint Jürgen Müller in seiner gewohnt lustigen Art. Gemeint ist, dass nach der Fertigstellung der Bahn drei Hütten auf dem Kamm in Mühlleithen standen. In einer wurde kassiert, in der anderen die Schlitten gelagert, in der dritten Würstchen und Getränke verkauft. „Unser Bahnhof kam erst später dazu. Seitdem leben wir unter einem Dach“, lacht der 56jährige und spielt den Gekränkten, weil Oste mit seiner Frau ausgerechnet zur „Silberhochzeit“ geurlaubt hat.

Natürlich haben beide beim Bau des Startgebäudes selbst mit Hand angelegt, auch danach, als der Boden unter der Überdachung erneuert und gepflastert werden musste. Und gut in Erinnerung ist ihnen noch die Nacht- und Nebelaktion vor rund 10 Jahren, als vor einem Ferienwochenende das Stahlseil, an dem die Schlitten aus dem Tal wieder hochgezogen werden, gewechselt werden musste. Nachmittags um fünf begann die Aktion: alle Bahnteile abbauen, altes Seil von den Rollen holen, Neues einziehen, Bahn wieder montieren. Früh um vier war alles fertig. Das Wochenende konnte auf der 800 Meter langen Bahn mit 11 Kurven gerodelt werden. „Gezählt haben wir nicht genau, aber so 40.000 Fahrten sind es, die durchschnittlich im Jahr absolviert werden“, meint Jürgen Müller. Heißt also, dass in den 25 Jahren rund eine Million Rollschlitten mit ein oder zwei großen und kleinen Leuten gestartet sind. „Es gab Zeiten, da standen die ‚Sommerrodler‘ in Dreierreihe quer über den Parkplatz an. Und auch heute noch, ist die Bahn gut besucht“, freut sich Oste. Nur momentan haben die beiden einige Bauchschmerzen. Ganz Klingenthal ist Straßen-Groß-Baustelle. „Aber man kommt mit Auto und Bus zu uns rauf auf den Kamm und kann Rodeln“, meinen sie unisono und freuen sich auf viele Besucher, für die sie in ihrem „Silberhochzeitsjahr“ an der Silberrinne gerne da sind.

 

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