Weinbuch lässt Zukunft über die Saison hinaus offen
23.08.2019

Bildtext: Hermann Weinbuch, Bundestrainer Nordische Kombination. Foto: DSV

 

Klingenthal. Seit sage und schreibe 23 Jahren ist Hermann Weinbuch Bundestrainer der deutschen Nordisch Kombinierten. Die Bilanz seiner Schützlinge unter seiner Regie ist atemberaubend: Mehr als 50 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, unzählige Weltcupsiege, acht Gesamtweltcupsiege. Weinbuch, der im März seinen 60. Geburtstag feiern wird, ist DER Medaillengarant im Deutschen Skiverband. Vor dem FIS Grand Prix nächste Woche in Klingenthal wirft er im Interview mit Pressesprecher Sascha Brand einen Blick voraus, auf die anstehenden Sommer Grand Prix und den kommenden Winter. Ob der Bayer auch bei den Weltmeisterschaften 2021 noch dabei ist, macht er vor allem von den Sprungleistungen seiner Athleten abhängig.

Sascha Brand: Herr Weinbuch, wie ist der Stand der Vorbereitung auf die anstehende Saison?
Hermann Weinbuch: Wir haben die erste Periode der Vorbereitung hinter uns gebracht. Schwerpunkt war die Ausdauer, mit sehr großen Umfängen. Dafür waren die Jungs allein mit den Technikern auf Mallorca und sind eine Woche Rad gefahren. Danach waren wir in Oberhof, mit den ersten Sprüngen auf der neuen kleinen Schanze. Es war ein sehr guter Anfang. Die Situation in diesem Jahr ist die, dass wir beim Springen besser werden müssen und wieder Boden gut machen wollen. Deshalb geht die Planung dahin, dass wir im Laufen natürlich weiterhin stark sein wollen, uns aber technisch im Springen auch verbessern möchten.

Sascha Brand: Welche weiteren Sprunglehrgänge gab oder gibt es noch?
Weinbuch: Wir waren in der Ramsau, haben auch einen Abstecher nach Villach gemacht. Danach waren wir in Hinterzarten und in Courchevel. Wir haben versucht, einen etwas anderen Zugang zu finden beim Springen. Es gab einige Umstellungen, neue Trainingsformen. Das sah schon sehr gut aus. Zuletzt sind die Jungs aber doch müde geworden, auch durch hohen Umfänge beim Lauftraining. Es gab auch eine Woche Urlaub, der war wichtig.

Sascha Brand: Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand?
Weinbuch: Insgesamt bin ich zufrieden, die Jungs sind gerade beim Laufen richtig gut drauf. Beim Springen wären wir ohne die Müdigkeit vielleicht schon etwas weiter.

Sascha Brand: Welche Rolle spielt der Sommer Grand Prix?
Weinbuch: Wir werden mit allen Leuten angreifen und wollen auch versuchen, die Serie komplett durchzuziehen. Es wird eine harte Phase. Aber wir wollen den Grand Prix als das bestmögliche Training unter Wettkampfbedingungen nutzen. Gerade auch, um uns im Springen an die besten heranzutasten und ein paar Erfolgserlebnisse zu sammeln. Insofern spielt der Grand Prix für uns eine zentrale Rolle für die Entwicklung für die nächsten ein bis zwei Jahre.

Sascha Brand: Nutzen Sie die „Übergangssaison“ ohne Olympische Spiele und Weltmeisterschaften auch, um junge Leute heranzuführen?
Weinbuch: Wir haben mit Julian Schmid einen Juniorenweltmeister mit eingebaut. Das ist sehr wichtig und bringt neue Impulse. In den letzten Jahren kam da nicht so viel nach. Die Situation ist jetzt günstig für ihn, um sich über ein, zwei Jahre für die WM in Oberstdorf heiß zu machen und auch die Etablierten zu fordern. Generell wollen wir die Saison wie schon erwähnt nutzen, um im Springen wieder näher an die Weltspitze heran zu kommen.

Sascha Brand: Steht zu befürchten, dass nach der Heim-WM 2021 in Oberstdorf die Ära des Hermann Weinbuch zu Ende geht?
Weinbuch: Zunächst mal müssen wir die kommende Saison bestreiten. Mal sehen, wie das wird. Es wird für uns eine sehr wichtige Saison, auch ohne die großen Höhepunkte. Wir müssen an der Entwicklung arbeiten, da muss etwas kommen, sonst kann man sehr schnell in eine Situation kommen, in der es neue Impulse braucht. Für uns als Trainerteam wird es wichtig sein zu sehen, ob es uns gelingt, mit neuen Reizen die Athleten im Springen wieder einen Schritt nach vorn zu bringen. Das wird darüber entscheiden, ob eine weitere Zusammenarbeit mit meiner Person sinnvoll ist.

 

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